MELDORFER ZEITUNG

Experimente im Speicherkoog

Neue Technik beim Lahnungsbau Hafenausbaggerung geht nur langsam voran



pict1.jpg

Mit Sand gefüllte Vliesschläuche, die eigentlich für den Deichbau in Indonesien und Vietnam hergestellt werden, begrenzen das Lahnungsfeld nach Westen hin. Die traditionell aus Pfählen und Reisig hergestellten Lahnungen (im Hintergrund zu sehen) halten an dieser Stelle nicht weil der Untergrund zu weich ist. Dort befand sich das Bett der alten Miele. Fotos: Groll


Von Gesine Groll
Meldorf

Die erste „Saison zur Ausbaggerung des Meldorfer Hafens, die die beiden Seglervereine in Eigenregie betreiben, ist nicht so erfolgreich verlaufen, wie erhofft. 15 000 Kubikmeter Schlamm waren angepeilt, geschafft hat der eigens dafür konstruierte Schwimmbagger nur rund 8000 Kubikmeter.


„Die Technik muss optimiert werden“, erklärt Alfred Wilhelm, Vorsitzender des Meldorfer Seglervereins. Die Effizienz des Gerätes sei zum Beispiel abhängig davon, wie fest der Stoff ist, der vom Grund gelöst und dann angesaugt wird. Da der Schlamm in den oberen Schichten weicher sei als in den unteren, müsse die Strahltechnik im Saugrohr verbessert werden. Der Schlamm wird nämlich nicht mit einem Schneidkopf, sondern einem Wasserstrahl gelöst. Außerdem müsse die innere Schaufelradtechnik genau auf das abzusaugende Medium eingestellt werden.
Ein vergleichbares Gerät, bei dem man sich das hätte abgucken können, hat es laut Wilhelm nicht gegeben. Probleme würden zudem Plastiktüten, Netze und Tampen, die über die Jahrzehnte auf dem Hafen grund landeten, bereiten. „Die machen die Wellen kaputt“, so Wilhelm. Der Saugbagger, ein

Gemeinschaftswerk der Firmen Claußen, Timm und Jaster, ist jetzt wieder in der Werkstatt und wird aufgrund der Erfahrungswerte aus der ersten .‚Saison“ für die nächste aufgenistet.
Geplant ist, in drei Jahren 65 000 Kubikmeter Schlamm aus dem Hafenbecken zu holen, also rund 22 000 pro Jahr. Gebaggert werden darf aber nur von Oktober bis April, beziehungsweise solange die Wassertemperatur zwölf Grad Celsius nicht übersteigt. Ist das Wasser wärmer, kann durch den aufgewirbelten Schlamm das biologische Gleichgewicht gestört werden.

Diesmal hatten die Segler- vereine Verlängerung bis Ende Mai bekommen, was aber nicht reichte, das schon auf 15 000 Kubik reduzierte Pensum zu schaffen.
Der ausgebaggerte Schlamm ist nützlich für den Küsten Schutz. Ein Priel rückt immer näher an den Deich heran. Um ihn auf mindestens 200 Meter Distanz zu halten wurde ein Lahnungsfeld angelegt. Mit dem Schlamm, der über eine 1200 Meter lange Rohrleitung vorgespült wird, kann dieses ungleich schneller auf den erforderlichen einen Meter Höhe wachsen, als es durch die Sedimentablagerungen bei Ebbe

  

Der Schwimmbagger  soll in drei Jahren einen Teil dessen schaffen, was die Stadt Meldorf 30 Jahre lang versäumte:
Durch die Verschlammung reduzierte sich die Wassertiefe des Hafens von einst rund 8 auf 1,50 Meter. 2,50 Meter müssen erreicht werden, damit auch große Sportboote bei Niedrigwasser nicht festsitzen.

und Flut geschieht, erklärt Rainer Zornig vom Landesbetrieb Küstenschutz (ehemals ALR). „Normalerweise dauert das mindestens 20 Jahre.“
Wie die Segler mit dem Bagger, so hatte der Küstenschutz Probleme mit der Lahnung. Die traditionelle Holz-Reisig-Konstruktion kippte im weichen Grund des einstigen Bettes der alten Miele weg. Zornig suchte nach Alternativen und wurde bei einer Firma fündig, die für den Deichbau in Indonesien Vliesschläuche herstellt. DieSchläuche haben einen Durchmesser von 2,50 Meter, die mit Sand gefüllt werden.
„Wir haben für die Firma getestet, wie man sie am besten füllt. Ein Spülbagger wurde dazu eingesetzt. Unsere Aufgabe war, herauszufinden, mit wie viel Druck und Geschwindigkeit der Sand eingespült werden kann“, erzählt Zornig. Zu lösen war auch die Frage, wie die 50 Meter langen Teil- stücke haltbar miteinander verbunden werden können. „Schweißen klappte nicht, der Schlauch platzte wieder. Dann haben wir genäht, und es funktionierte“, berichtet Zornig von dem gelungenen Experiment.
Das könnte Lahnungsbau an der Westküste grundlegend verändern. Traditionell gebaute Lahnungen müssen laut Zornig nämlich „alle paar Jahre überholt werden, die Schläuche nicht“.

Aus Dithmarscher Landeszeitung vom 21.06.2008 Von Gesine Groll